Kirmes ‘08 - Das glaubt einem doch kein Schwein…

Mittwoch, 3. September 2008

Als die SPD-Fraktion in der letzten Sitzung des Umweltausschusses den Antrag stellte, dass die Verwaltung doch dafür sorgen möge, dass während der 5 Kirmestage gefälligst gutes Wetter zu herrschen habe, habe ich wirklich noch nicht damit gerechnet, dass dieser Antrag umgesetzt würde. Zumal er etwas verspätet eingebracht wurde, dann noch von der SPD kam und zu allem Überfluss die Grünen mal wieder Bedenken anmeldeten. Von wegen 5 Tage wäre ein bisschen lang für die Pflanzenwelt und wenn es nicht regenen würde, müsste wieder wertvolles Trinkwasser zum Gießen vergeudet werden und so fort. Nachdem die Sozis einlenkten, dass man sich auf den Sonntag Abend einigen könne, was den Regen anginge, damit alle früh nach Hause kämen und somit ausgeruht zum Matinée gehen könnten, wurde der Antrag dann auch einstimmig angenommen.

Und die Verwaltung hat sich tatsächlich einmal alle Mühe gegeben und fast pünktlich den Zeitplan eingehalten.

Freitag nachmittag, als ich um 1/4 nach 4 aus Richtung Lennep auf der Autobahn nach Hause unterwegs war, riss über der Raststätte die Wolkendecke auf und ein breiter Sonneneinfall illuminierte das Stadtgebiet von Wermelskirchen. Fassanstich. Das muss man dem noch amtierenden Bürgermeister lassen - das war Timing! Und der Abend gerettet.

Samstag dann nachmittags zunächst für alle Gartenfreunde die Gelegenheit, noch einmal schnell das Gewissen zu beruhigen und den Rasen zu mähen oder die Hecke zu schneiden, um dann nach erfüllter Pflicht sich ins heitere Party- und Open-Air-Vergnügen zu stürzen. Musikhighlights für die einen an der Katt mit Jokebox, für die anderen vorm Rathaus, wo man zum zigsten Male der Frage nachging, wo denn eigentlich dieser Behle sein möge? Eines ist sicher: Beim Empfang für unser Gäste aus Costa Rica eine Etage höher war er nicht. Die ließen sich jedenfalls vom Trubel vorm Rathauscafé nicht von ihrer Feier ablenken.

Sonntag dann ein Familien-Kirmestag, wie er im Buche steht. Im strahlenden Sonnenschein vorm Venezia sitzend, auf das vor Stunden bestellte kalte Getränk wartend, konnte ich wahrhaft dem Namen der gegenüberliegenden Pizzeria beipflichten (die zudem die Urlaubsatmosphäre noch mit gemäßigt lauter Musica Italiana untermauerte), mich zurücklehnen und sagen: Si, va bene!

Und nur, um einem Sonnenstich zu entgehen, ging’s dann weiter, die Kölner Straße hinunter. Vorbei am üppigen Angebot der hier vertretenen Einzeländler, die im Übrigen auch kaum etwas im Inneren ihrer Geschäfte hielt, fand man am unteren Ende der Straße das Eldorado der Kirmes - Matinée-Beach. Was gibt es Schöneres, als an einem schattigen Fleckchen bei nahzu 30°C draußen, die nackten Füße in den Sand zu graben, einen eiskalten Caipirinha in der Hand zu halten und den Kindern beim Sandburgenbauen zuzuschauen? Und die einzige Sorge der anwesenden Eltern war: “Nicht mit Sand werfen, Luca!”

Von da aus war es nur noch ein Katzensprung zum Weindorf an der Katt. Auch hier äußerst entspannte Atmosphäre - nur kaum ein freier Platz. Aber das ist bei Weinfreunden ja meist kein großes Problem, da rückt man halt etwas näher zusammen. Auch vorm Flammkuchenstand der Musikschule immer eine Schlange geduldiger Menschen, die nur allzu gern ihren Beitrag für die Musikschule leisten wollten. Der musikalische Beitrag von Till und den Altobellis hätte es sicher verdient, noch über 22:00 Uhr hinaus ausgedehnt zu werden. Aber da kam dann das Zugeständis an die Trinkwassersparsamkeit zum Tragen und nach einem fulminanten Wetterleuchten prasselte der bestellte Regen auf die Pavillons. Zeit zum Ausruhen - die Ruhe vor dem Sturm.

Matinée dann ein etwas wolkenverhangener früher Morgen, der zunächst nichts Gutes verhieß. Dann aber, wie beantragt, tat sich auch hier ab Mittag der Himmel weit genug auf, um ab und an den einen oder anderen Sonnenstrahl durchzulassen, aber nicht weit genug, dass man Angst vorm Sonnenstich haben musste. Über den Rest des Tages hüllt sich aus Datenschutzgründen das Schweigen…

Leider habe ich es Dienstag nicht rechtzeitig zum Feuerwerk geschafft, was ich sehr bedauerte, als ich um 22:00 Uhr die ersten Böller hörte. Und als ich um 22:30 Uhr die ersten Regentropfen hörte, die sich dann quasi in junge Hunde verwandelten, konnte ich nur noch denken: “Das glaubt einem doch jetzt kein Schwein…!”

Kirmes in Wermelskirchen

Einen Kommentar schreiben