Die Bürgermeister-Kandidaten

Schade, dass Dieter Happ sich nicht zur Wahl stellt. Obwohl für meinen Geschmack etwas zu selbstverliebt, zudem aus SPD-Sicht ein Verräter, stellte er Herrn Kowalewski gestern dennoch glatt in den Schatten. Dieser hatte es sichtbar schwer, sein Profil herauszustellen und zählte alle Punkte auf, die der andere Kandidat, Hans-Dieter Husfeldt, ebenso in seinem Programm stehen hat. Es sind also nicht die Inhalte, an denen wir uns in Wermelskirchen orientieren könnten. Deshalb müssen wir nach der Art, der Persönlichkeit der Kandidaten entscheiden, was sowieso bei Bürgermeisterwahlen meist der Fall ist, weshalb ja auch die Parteizugehörigkeit meist nicht so eine große Rolle spielt.

Vergleiche mit der Tierwelt liegen mir zwar auf der Zunge, ich halte diese aber nicht immer für legitim, da wir nun mal keine Tiere sind (obwohl, manchmal kann man einfach nicht anders…). Tiefere Einblicke in die Charaktereigenschaften habe ich auch nicht, also bleibt nur der Eindruck, den ich bisher von beiden Kandidaten gewinnen konnte.

Verglichen mit unserem ultramodernen Bürgermeister Eric Weik, nimmt Hans-Dieter Husfeldt die mittlere Position ein. Es wurde ihm ja auch schon der Vermittler-Status, der Kuschelkater angehängt, weil er sehr ausgleichend und zugleich ausgeglichen wirkt und es geschafft hat, zwei unterschiedliche Parteien hinter sich zu vereinen.

Gestern nun hatte ich das erste Mal Gelegenheit, Ulrich Kowaleski persönlich zu erleben.


Und mein Eindruck war, dass er auf einer waagerechten Skala von ultramodern über moderat bis stockkonservativ am rechten Ende liegt, also am wenigstens beweglich ist. Sicher, ich nehme ihm alles ab, was er gesagt hat. Er ist ein treusorgender Familienvater mit christlichen Wertvorstellungen, steht mit beiden Beinen auf bergischem Boden, ist verwaltungserfahren und ehrenamtlich engagiert. Schätzenswerte Eigenschaften.

Nur, wohin soll uns das führen? Herr Kowalewski will mehr Einsatz auch von städtischen Angestellten in Schulen und auf der Straße, redet aber gleichzeitig von der Notwendigkeit, die Personalkosten der Verwaltung zu reduzieren, im Klartext: Personal abzubauen. Er versucht ganz geschickt, seine Insiderkenntnisse von Wermelskirchen herauszustellen und spricht von der Wichtigkeit des Ausländerzentrums in der Thomas-Mann-Straße, scheint aber noch nicht mitbekommen zu haben, dass dort Räumlichkeiten so wenig genutzt werden, dass sie ans KiJu-Parlament vergeben werden konnten. Auch die Kooperation von Gemeinden ist eines seiner Themen. Da führt er beispielhaft den Oberbergischen Kreis an und vergisst dabei zu erwähnen, dass die ersten Gemeinden bei einzelnen Projekten schon wieder ausgestiegen sind.

An anderer Stelle habe ich schon einmal geschrieben, dass Herr Kowalewski im Passiv zu leben scheint. Heute denke ich, er lebt auch in der Vergangenheit. Blasmusik, übertriebene Betonung der Heimatverbundenheit, Landsmannschaften, Volkstrauertag - nichts gegen all diese Dinge. Aber ist das zukunftsweisend? Dazu passt, von einem altgedienten CDU-Veteranen vorgestellt zu werden, der, bei allem Respekt!, mit dem täglichen Leben in Wermelskirchen und mit dem politischen Geschehen hier, nichts mehr am Hut zu haben scheint. Von Dieter Happ ganz zu schweigen (Verräter!)…

Was gar nicht dazu zu passen scheint, ist die Rückseite seiner Werbepostkarte:
Soll das modern wirken, oder was? Erinnert ein wenig an die Rekrutierungsplakate der US-Army, anno dazumal. Aber das passt ja auch irgendwie wieder…

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