Reif für die Insel war einmal

Das finde ich mal einen ansatzweise konstruktiven Vorschlag: Gleich zwei Verbände der mittelständischen Wirtschaft wollen den Urlaub von ArbeitnehmerInnen um zwei Wochen kürzen! Aber warum eigentlich nur “um” und nicht “auf”?

Das ist doch viel zu kurz gedacht. Schließlich wollen wir doch alle “den Aufschwung unterstützen”, wie Ursula Frerichs, die Vorstandsvorsitzende des Unternehmerverbandes mittelständische Wirtschaft fordert. Dafür will sie sogar ihre Besitzstände zurückschrauben.

Und ich finde, das sollten wir alle tun! Schließlich erspart uns das auch eine Menge Arbeit und Geld: Stundenlanges Suchen nach geeigneten Reisezielen, Koffer packen, Sonnencreme und so weiter und so fort. Umweltschonender ist es auch. Und das Ersparte können wir dann alle in diversen Aktienfonds anlegen, damit es irgendwann wieder da hin kommt, wo es hingehört.

Überhaupt sollte die ganze Schlunzerei in Deutschland mal aufhören. Die Schulkinder haben zwölf Jahre Zeit bis zum Abitur! Das muss man sich mal vorstellen. Und dabei ebensoviele Wochen Urlaub im Jahr. Zusammen mit den Lehrern. So kann das ja nichts werden mit dem Fachkräfte-Nachwuchs. Das muss schneller gehen. Also: Auch für Schüler und Lehrer nur noch zwei Wochen Urlaub im Jahr! Und Chinesisch als Pflichtfach im Kindergarten. Upps - Verzeihung! Ich glaube das heißt nicht mehr Kindergarten, sondern Kindertagungsstätte. Dann brauchen wir auch diese ominöse Chipkarte für die Kinder von HartzIV-Empfängern nicht mehr. Die wäre doch ohnehin nur nötig wegen zu viel Freizeit. Wo kommen wir denn da hin, wenn die Kinder ihre Zeit im Zoo oder im Schwimmbad vertrödeln?

3 Reaktionen zu “Reif für die Insel war einmal”

  1. Wolfgang Horn

    Ursula Frerichs, ein Name, den man sich womöglich doch merken sollte. Sie ist Betriebswirtin und seit 20 Jahren Vorstandvorsitzende und Hauptgeschäftsführerin des Unternehmerverbandes mittelständische Wirtschaft e.V. Und: Vollkommen durchgeknallt. Frau Frerichs will nicht nur Urlaube kürzen, sondern fordert auch eine Deopflicht für alle Arbeitnehmer. Frau Frerichs wörtlich im Focus vom 6. Juli 2010: “Ich würde es so machen: Zunächst gibt es einen Aushang, in dem darauf hingewiesen wird, dass jeder auf seine Körperhygiene zu achten hat.
    (…) Stellen Sie sich vor, Sie haben viel mit Menschen zu tun, da müssen Sie auf solche Sachen achten: Mundgeruch, Schweißfüße. Außerdem könnte man Stippvisiten machen. Externes Personal, das während der Arbeitszeit kontrolliert.” Da bekommt die Formulierung: Den Arbeitnehmern hinterherschnüffeln” doch ihren eigenen Sinn.

  2. Wolfgang Horn

    Im übrigen: Ein wirklich schönes Urlaubsfoto…

  3. Wolfgang Horn

    Frau Frerichs auf ihrer eigenen Internetseite: “Leben ist Veränderung. (…) Schwer sind geistige Veränderungen.” Ja, in der Tat. Wie man lesen kann. Seit zwanzig Jahren sitzt sie auf dem selben Schemel. Da fallen vermutlich nicht nur die geistigen Veränderungen schwer.

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