Die Stirne bieten

Knight in shining armour (wdr.de)

Die Polizeistation in Wermelskirchen soll geschlossen bzw. verlagert werden. Aber bevor dies passiert, will unser Bürgermeister Eric Weik dem Landrat “mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln”(!) entgegentreten und die Stirne bieten. Weik kämpft für Polizei vor Ort

Au weia! Pathetischer geht es wohl nicht mehr?! Knight in shining armour - da gab es in den 70ern auch mal so eine Seife von AVON…

Zuerst dachte ich, “Stirne” wäre ähnlich wie das im Bergischen gern gebrauchte “Türe” als Wort eigentlich nicht existent. Weit gefehlt! Stirne ist sogar “gehobenes” Deutsch. Dass ich das noch erleben durfte - gehobenes Deutsch in den Medien! …Frau lernt nie aus, runzelt die Stirne ob solcher Schmach des Nichtwissens und kriegt die “Türe” nicht mehr zu (dafür aber das “arme Tier” ;-) )

Aber zurück zum Thema. Hier muss ich einem Kommentator aus dem SPD-Forum beipflichten: Was ist eigentlich los im Staate Wermelskirchen? 17-jährige sammeln Unterschriften für den Erhalt der Polizeiwache und der Vorsitzende des Seniorenbeirates, Klaus Förster, meint ganz richtig, dass “emotionale Argumentationen nicht entscheidend sein dürften für eine Ortsbestimmung der Polizeiwache”. Der Vorsitzende des Beirates für Menschen mit Behinderung, Jürgen Löhmer, fügt hinzu: “Sicher fühle ich mich in Wermelskirchen auch ohne einen Polizisten in meiner Nähe” und findet die Frage nach Erhalt der Ampeln am Brückenweg/Loches-Platz wichtiger.

Was für ein Thema soll uns denn hier um Himmels Willen von den Medien und von 17-jährigen FPD-Nachwuchspolitikerinnen aufgezwungen werden (”Politiker müssen sich einschalten”)? Bisher werden nirgendwo in die Diskussion belastbare Zahlen eingebracht. Wie viele Menschen gehen denn tagsüber so in die Polizeiwache? Wo kommen denn die Einsatzfahrzeuge her, wenn man in der Polizeistation Wermelskirchen anruft, wenn einem z. B. ein kleines Unglück mit einem Straßenschild passiert, das man als pflichtbewusste Bürgerin direkt meldet? Und wie lange dauert es, wenn man abends ruhestörenden Lärm meldet, bis Polizisten (und woher?) eingreifen? Aber auch: Wie viele Zellen sind denn durchschnittlich belegt in der Polizeiwache?

Ich denke, ein alternativer, im Kreis zentraler Standort wie etwa Hilgen Neuenhaus wäre durchaus akzeptabel. Und alle mit übersteigertem Sicherheitsbedürnis hätten ja einen Polizisten zum Bürgermeister wählen können…

4 Reaktionen zu “Die Stirne bieten”

  1. Wolfgang Horn

    Die sozialdemokratischen Reflexe funktionieren offenbar gut: Wenn ein junges FDP-Mitglied Unterschriften sammelt für den Verbleib der Polizeiwache im Städtchen, dann kann das nur kritikwürdig sein und gilt schon als Beweis für die Richtigkeit der Polizeiplanungen. Aber so einfach sollte man sich das nicht machen, wenn man sich zugleich auf die Fahne geschrieben hat, die Interessen der Bevölkerung vertreten zu wollen.Wenn diese junge Frau, FDP-Mitgliedschaft hin oder her, in kurzer Zeit viertausend (!) Unterschriften zusammenbringt für den Erhalt der Polizeiwache, dann zeigt das, daß es ein gehöriges Sicherheitsbedürfnis bei den Menschen in der Stadt gibt und daß die Verlegung der Wache auf die grüne Wiese vielen Angst bereitet. Ob das schon als “übersteigertes Sicherheitsbedürfnis” abgetan, mehr noch: geschmäht werden kann, halte ich eher für fraglich, nein: für abwegig. Es ist also nicht entscheidend, wer die Unterschriften sammelt, sondern daß so viele unterschrieben haben. Und dann der letzte Satz: Liebe Petra, den Polizisten haben die Menschen in Wermelskirchen eben nicht als Bürgermeister haben wollen. Hat der Polizist, den ihr gemeinsam mit der CDU ins Bürgermeisterbüro habt hieven wollen, eigentlich mehr Stimmen bei der Kommunalwahl erhalten, als Fräulein Zajons in kurzer Zeit sammeln konnte? Ich bin mir ganz sicher, daß Du es so nicht gemeint hast, aber im Grunde ist der letzte Satz zynisch. Und fahrlässig ist, das Klima in der Stadt derart falsch einzuschätzen. Nicht die Medien machen das Thema. Die Menschen sind es, denen das Thema auf den Nägeln brennt. “Wir müssen raus ins Leben, wir müssen dahin, wo es anstrengend ist!” Das war der Aufruf des SPD-Vorsitzenden Gabriel an seine, Deine, meine (in den bekannten Grenzen) Partei. Dann nutzen aber Ressentiments nichts, draußen im Leben. Die kann man nur intern hegen. Draußen im Leben haben viertausend unterschrieben und es kommen gewiß noch einige tausend dazu. Und wir? Wir schweigen und ignorieren, was die Menschen draußen umtreibt.

  2. pidabbelju

    Hmmm…Schaum vor dem Mund, mein lieber Wolfgang?

    Erstens: Muss ja wohl ein kleiner Seitenhieb auf die FDP erlaubt sein, wiewohl ich das Engagement junger “Fräuleins” (wie Du sie nennst) absolut respektiere.

    Zweitens: Glaube ich durchaus, dass der große Bohei um die Verlagerung der Polizeiwache von den Medien gemacht wird. Wie sonst erklärst du Dir die spärliche Teilnahme von Bürgerinnen und Bürgern am CDU-Stammtisch? Haben die plötzlich alle Angst vor der CDU? Außerdem soll man ja immer bei sich selbst anfangen mit der Marktforschung. Und was soll ich Dir sagen? Ich war noch nie(!) in der Polizeiwache! Ich wüsste auch nicht, was ich da sollte. Wie oben geschrieben, habe ich da mal aus gegebenem Anlass angerufen und eine geschlagene 3/4 Stunde gewartet, bis Kollegen aus Bergisch Gladbach kamen, um Daten aufzunehmen… Ich hätte auch hingehen können - so nah war das. Aber das wäre mir dann womöglich als Fahrerflucht ausgelegt worde.

    Drittens: Gehen mir die Verschwörungstheorien, die hier konstruiert werden entschieden zu weit! Gut, die ganz haarige Vermutung, dass das alles ein “Racheakt” von CDU-Politikern sei, kam zwar von einem Bürger, aber beim Veröffentlichen trifft man ja auch eine Auswahl! Aber auch den Eindruck zu evozieren, dass Kreistagsmitglieder nur auf das gute Ansehen beim Landrat schielen, halte ich für abenteuerlich! Ja sogar für ein wenig unanständig, weil es wieder einmal mehr zur allgemeinen Politik- und Politikerverdrossenheit beiträgt.

  3. pidabbelju

    Ach, PS: Der letzte Satz mit dem Bürgermeister war natürlich scherzhaft gemeint!
    Und, PPS: Einige der Unterzeichner haben auch mehrfach unterschrieben - zumindest, wenn man der Presse glauben darf…

  4. Wolfgang Horn

    Nein, liebe Petra, niemals mit Schaum vor dem Mund schreiben, das ist meine Devise.
    Also der Reihe nach: Gegen Hiebe und Seitenhiebe auf die FDP habe ich nun wahrlich nichts, wie man ja gelegentlich auf meinem Blog nachlesen kann. Zweitens: Natürlich wird “Bohei” gemacht, das ist das Geschäft der Presse. Aber man kann schlecht Bohei machen, wenn es keine reale Basis gibt. Und die gibt es, das sind die Unterschriften. Ob da nun einige doppelt unterschrieben haben oder nicht, tut nicht einmal etwas zu Sache. Und ob es dreitausend sind oder viertausend, ist auch nicht bedeutsam. Jedenfalls ist Qualm in der Stadt. Die Polizeiwache ist ein Thema, ob man das nun gut findet oder nicht. Ein Thema, zu dem sich Parteien verhalten sollten. Denn sonst werden sie als Einrichtungen, die sich um Nöte der Bürger kümmern, nicht mehr wahrgenommen. Eine SPD, die den Qualm in der Stadt nicht sieht, nicht riecht, die versagt. Weil sie sich die Chance nimmt, mit den Bürgern über das zu sprechen, was sie umtreibt. Und genau das habe ich intern schon vor Monaten gesagt. Ob man nun selber viel zu tun hat mit der Polizei, wie man Polizei generell findet, all das spielt in diesem Kontext keine Rolle. Ich kritisiere, daß man sich eine Politikgelegenheit durch die Lappen gehen läßt. Nein: Sie anderen schenkt. Und daß nur wenige Bürger bei der CDU waren, sagt über den Rumor gar nichts. Schau Dir die Entwicklung des Protestes in Stuttgart an. Und schließlich: In der Tat, das mit der Kandidatur des Polizisten im vergangenen Jahr kann man nur als Scherz behandeln.

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