Werdegang eines Märtyrers

2. März 2011

So, Herr zu Guttenberg ist gestern also im allerletzten Moment zurückgetreten, bevor die CDU ernsthaft Schaden genommen hätte. Kein Grund zur Schadenfreude oder Häme, aber auch kein Grund für Mitleid oder gar Respekt - es war einfach nur der einzige Ausweg. Und dazu noch einer, den er jetzt für sich ausschlachten kann und wird. Ich zitiere mich mal selbst: “DAS würde ihm im Wahlkampf die Massen nur so zutreiben! Ein Märtyrer!” Das Wort Märtyrer werden wir in nächster Zeit wohl noch öfter hören.

Schon reden Anhängerinnen und Anhänger von “Respekt”, den man dem “begnadeten Politiker” für seinen Rücktritt zollen soll, von “Anstand”, den er damit bewiesen habe, von “Verantwortung”, die er übernommen habe und dass es ihn “ehre”, dass er sich zu diesem Schritt “entschlossen” habe.

So wird es sich in der nächsten Zeit auch um eine Schlacht der Worte handeln, die einmal mehr in den Medien und in den digitalen Netzwerken ausgefochten wird. Je öfter Begriffe wie die vorgenannten auftauchen und je weniger klar und deutlich von “Lüge”, “Betrug”, “strafrechtlicher Verfolgung”, “Unehrlichkeit”, “überbordendem Ehrgeiz” und “dilettantischer Arbeit” gesprochen bzw. geschrieben wird, desto eher wird Herr zu Guttenberg zum Mehrtürer.

Dass Angela Merkel jetzt wütend wird beim Versuch, die Ursachen und Wirkungen zu verdrehen, indem sie der Opposition die “Schuld” am Rücktritt des Barons gibt, ist einfach zu erklären: Sie ärgert sich über sich selbst! Sie hat hoch gepokert, indem sie zu Guttenberg nicht früher zurücktreten ließ - und dabei ihren Politjoker verzockt. Das ärgert die rationale Physikerin und Machtstrategin um so mehr, als es auf einem klitzekleinen Denkfehler beruhte, einer einzigen Fehleinschätzung. Nämlich der, dass sie glaubte, der Rücktritt eines weiteren Ministers würde der Union mehr schaden als die Bagatellisierung konservativer Werte…

Und hier noch ein kleines Schmankerl zum Thema “Schüren von Politikverdrossenheit”:
BILD.de, 13:57 Uhr: “Doch am Ende schützte ihn die Zustimmung der Bürger nicht. Denn in Berlin kann nicht sein, was nicht sein darf. Nun sollen die, die Guttenbergs Rücktritt wollten und bekamen, erklären, ob die Politik in Deutschland ohne diesen Minister unter dem Strich wirklich besser da steht. Sie tut es nicht!” (dieser Stil erinnert mich an irgendwas…)

Mir soll’s Recht sein

28. Februar 2011

Das kann Herr zu G. doch einem erzählen, der sich die Hose mit der Kneifzange anzieht: Dass er dieser Tage sein Amt “mit Freude” ausfüllen würde.

Einen deutlicheren Beweis für Relaitätsverlust kann man doch nicht erbringen, das schaffen nicht mal Drogen. Es steht zu befürchten, dass diese Haltung irgendwann schwere psychische Schäden bei ihm hinterlassen wird.

Der einzige! Weg, aus dieser Nummer wieder raus zu kommen, wäre meiner Ansicht nach der, aus eigenem Willen zurückzutreten und das damit zu begründen, dass man Schaden von seiner Partei und von seinem Doktorvater und von seiner Familie und von seiner Universität und von der Bundeswehr und von allen deutschen Wissenschaftlern abwenden wolle. DAS würde ihm im Wahlkampf die Massen nur so zutreiben! Ein Märtyrer!

Ansonsten sind es noch drei Wochen hin bis zur nächsten Landtagswahl. Da kann noch viel passieren. Da können sich noch viele Parteifreunde abwenden, die es nicht mehr aushalten, die Faust nur in der Tasche zu machen (siehe vorigen Artikel, der bestimmt noch im Laufe der Woche ergänzt werden kann… da wette ich drauf!)

Aber im Grunde: Mir soll’s Recht sein! Ich kann der Union nur zurufen: Verstrickt Euch nur weiter in Eure ehrenrührigen Argumentationen! Tretet weiter Eure eigenen Grundwerte in den Staub! Nur zu! Mir soll’s Recht sein…

ja, ja - spätestens Anfang nächster Woche…

26. Februar 2011

CDU-Ministerpräsident zweifelt an Guttenberg

Nachtrag, Montag, 28.02.2011:

21.02. Wolfgang Kubicki, FDP
die ganze letzte Woche schon verhohlen: Norbert Lammert, CDU
26.02. - Wolfgang Böhmer, CDU
26.02. - Bernhard Vogel, CDU
28.02. - Annette Schavan, CDU
28.02. - Martin Neumann, forschungspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion
28.02. - mittags: Günther Beckstein, CSU
28.02. - mittags: Christian Lindner, FDP (noch verklausuliert…)
tbc…

Nordkvark - ein Heimatabend

26. Februar 2011

Heimatabend - ein überhaupt nicht läppischer übrigens.

Zu Samiland gibt es nicht mal einen Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia …………………. pffhhh-jo-pfffhh …………………………… Beim ersten Treffer www.minderheiten.org/sami/samiland.html wird mir gesagt: “Das Plugin für diesen Inhalt ist deaktiviert.” ……….. pffhhh-jo-pfffhh …………………………….. Sonderlich erstaunt bin ich darüber nicht und frage mich, gab es jemals etwas aktives in Samiland? Nach der gestrigen Vorstellung von Nordkvark in der Kattwinkelschen Fabrik wage ich es jedenfalls zu bezweifeln …………………………………….. pffhhh-jo-pfffhh ……………………………………. Eine Straße, eine Frau (hoho!!), zwei Autos täglich. Da hält es schon genau, über diese Straße zu kommen! Da muss man auch schon mal einen Tunnel graben - zum “Mückenen” ;-) ……………. pffhhh-jo-pfffhh ………………………………

Also kein Artikel in der Wikipedia, aber wir hatten gestern gleich drei Vertreter (männliche! wahrscheinlich die einzigen - weibliche gibt’s nur eine) in der Kattwinkelschen Fabrik zu Gast. Eigentlich fühlte ich mich jedoch, als sei ich zu Gast in Samiland! Und Gastfreundschaft wird dort groß geschrieben! - zumindest gegenüber Frauen. Für die gab es nämlich “de wilde Lachs” (Fischstäbchen von ja!) umsonst - oder sagen wir: fast umsonst ……………… pffhhh - jo - pfffhh … hoho! …. Schließlich sind die Samen naturgemäß auf der Suche nach Fortpflanzungsmöglichkeiten ….

Es war wie eine Begegnung auf dem Campingplatz. Sprachkenntnisse keine - aber auch keine erforderlich. Die drei Samimänner konnten auch so gut verständlich machen, wie es in Samiland zugeht und was wirklich wichtig ist. Erzählten von den “Ritualen”, die nötig sind (wer hat’s erfunden?), damit man zum richtigen Sami-Mann wird. Sauna und Wodka inklusive. Und viel Schwermut. Da keimte in mir schon ein wenig Mitleid ……… hohoho! …………… Aber ob das gereicht hätte, ein Fischstäbchen abzubeißen? (Hohoho - jo!…….) bin ich mir nicht sicher ….. pfffhhh ….. Und das, obwohl ich eine Eintrittskarte zur After-Show-Party ergattert hatte! (Stück von der “Wilde-Lachs-Packung von ja!) Wahrscheinlich waren die drei dann doch mit ihrem Kuscheltier allein hinter der Bühne ……..

Dass Schwermut so lustig sein kann, hätte ich nicht gedacht ………. hohoh ……………. Auch nicht, dass ich “Samiland” googlen würde …. jo …. pfffhhh … Aber ich hab’ Tränen gelacht! :-)

Basisdemokratie und BILD

26. Februar 2011

Politik muss die Meinung, die Wünsche, die Nöte und die Vorstellungen der Bürgerinnen und Bürger berücksichtigen. Politik muss aber auch führen. Damit meine ich nicht, autoritär etwas aufdrücken. Ich meine, Politik muss Entwürfe machen, wie das Zusammenleben aussehen könnte - in der Gegenwart und in der Zukunft. Wäre nicht Helmut Schmidts berühmtes Zitat, würde ich schreiben: Politik muss Visionen entwickeln. Ideale vorgeben, auf die es sich lohnt hinzuarbeiten. Folgt Politik nur noch dem Willen von Bürgerinnen und Bürgern, verkommt sie zur reinen Verwaltung und wird schnell feststellen, dass man es nicht allen Recht machen kann.

Gehen wir mal davon aus, dass die BILD tatsächlich das “Ohr am Volke” hat (ohne hier die Frage zu stellen, inwieweit sie Aufnahmeorgan oder vielmehr Sender ist…), dann lässt sich der Bürgerwille tatsächlich in die zwei Worte fassen, deren Bedeutung schon im Römischen Imperium hinlänglich bekannt waren: Brot und Spiele. (Böse Zungen behaupten, dass das im Berlusconi-Italien heute noch immer so ist #Medienimperium…).

Und so langsam werde ich richtig sauer! Oder um es mit den Worten von Judith Holofernes von “Wir sind Helden” zu sagen: Ich glaube es hackt!

Deshalb ist es mir wirklich drecksegal, welche Beliebtheits-Umfragewerte Herr zu Guttenberg angeblich hat! Darüber kann sich Angela Merkel von mir aus Gedanken machen. Von mir aus kann man mir auch wieder vorwerfen, ich würde den Bürgerwillen nicht ernst nehmen. Aber will mir wirklich einer ernsthaft sagen, wir sollen uns nur von den “beliebtesten” Politikerinnen und Politikern regieren lassen??? Soll ich allen Ernstes glauben, die Mehrheit der Deutschen wünscht sich eine Regierung aus Thomas Gottschalk, Till Schweiger, Theodor zu Guttenberg, Maria Furtwängler, Jogi Löw und dem Maulwurf von René Marik? Hallo? Jemand “ne hage”?

Wenn ich nicht so enttäuscht von dem Aufsatz von Stéphane Hessel gewesen wäre, weil ich mir viel mehr davon versprochen hatte, dann würde ich jetzt laut rufen: Empört Euch!

Das können wir doch nicht auf uns sitzen lassen!

Und wer mir jetzt noch mit “aber der Mann macht doch seine Arbeit gut” kommt, den verweise ich auf “Experten kritisieren Guttenbergs Reformpläne”
oder “Kanzleramt kritisiert Guttenbergs Pläne scharf”, um nur zwei Quellen von eher nicht als “links” verschrienen Zeitungen zu nennen.

Aber wie schon früher geschrieben: Ich glaube nicht, dass Guttenberg das Problem ist - der ist angezählt. Das eigentliche Problem ist Angela Merkel, die hochgradig am Schwimmen ist und ihren Laden nicht im Griff hat (auch sie eine der - oder neuerdings sogar “die” beliebteste Politikerin des Landes!). Frau Merkel verkauft für “Ruhe im Karton” die letzten konservativen Werte, ja, wirft sie nachgerade auf den Müll, beziehungsweise auf den Haufen Handtücher, den all die CDU-Politiker vor Theodor zu Guttenberg dahin geworfen haben - und spaltet damit unsere Gesellschaft.

Nicht mehr und nicht weniger.