Bio-Eier (oder fremde Federn…)

26. Februar 2013

Bald is’ ja wieder Ostern. Und deshalb MUSS ich jetzt mal darüber reden… Die letzten Lebensmittelskandale haben mich als Verbraucherin echt tief betroffen gemacht, um nicht zu sagen, große Teile meines Weltbildes zum Einsturz gebracht.

Zum Beispiel Eier. Ich will ja, dass es den HühnerInnen und Hühnern gut geht. Deshalb kaufe ich immer Bio-Eier. Und ich finde, da kann ich als Verbraucherin ja wohl erwarten, dass sich um die Produzentinnen vernünftig gekümmert wird!!! Also zum Beispiel, dass die persönliche Betreuerin den Hektar grünen Ackers, auf dem mein(!) Huhn herumläuft, nur in Begleitung einer Tierpsychologin betritt, die die Diskussion mit dem Huhn darüber, ob es bereit ist, ein Ei aus seiner Produktion abzugeben, mit Sachverstand begleitet! Und mit Empathie! Das ist schließlich keine leichte Entscheidung für ein Huhn! Je nach politischer Couleur möchte es vielleicht auch wissen, ob sein Ei - sein Baby! - an gleichgeschlechtliche Lebenspartner, an Singles oder an Familien mit Kindern abgegeben wird! Ganz zu schweigen von der religiösen Perspektive.

Ich hatte auch schon einmal daran gedacht, ganz auf Eier zu verzichten. Aber als bewusste Verbraucherin habe ich mich auch gleich gefragt: Helfe ich den Betroffenen damit wirklich? Irgendwie müssen sie ja ihren Lebensunterhalt bestreiten, die Chicks. Von dem Vater des Eies kann das Huhn ja nun auch keine Unterstützung erwarten. Was das für Halunken sind, hört man doch schon an den Namen: Bergischer Schlotterkamm! - nach Familiensinn hört sich das nicht an. Oder die ganzen Migranten: Altenglischer Kämpfer, Appenzeller Spitzhaube, Sizilianer oder Polnischer Grünfüßler. Eine nachhaltige Familienplanung kann man mit so einem doch - bei aller Verbraucherliebe und -unterstützung - nicht aufbauen! Deswegen finde ich, die alleinstehenden Eierleihmütter sollen wenigstens ordentlich entlohnt werden. Deshalb kaufe ich Bio-Eier.

Und jetzt bin ich wirklich sehr, sehr enttäuscht und traurig, weil ich hören musste, dass mein Geld gar nicht bei den Produzentinnen ankommt! Dass diese teilweise nur Junkfood kriegen und mit bis zu acht Artgenossinen auf einem Quadratmeter leben müssen. Das finde ich wirklich skandalös und vor allem: ICH fühle mich BETROGEN!!! So was kann man mit bewussten Verbraucherinnen wie mir nicht machen! Und am Ende muss man sich dann auch noch vorwerfen lassen, man wäre ja selbst schuld, von wegen billig-billig.

Platz genug wäre doch! Gut, bei 35.700.000 Hektar Fläche in Deutschland müssten ein paar der ca. 40 Mio. Legehennen sich einen Hektar teilen, aber dafür könnten sie ja steuerlich begünstigt werden - Homo-Eiergattensplitting sozusagen. :-)

Gut, es könnte natürlich sein, dass die Eier dann ein bisschen teurer würden. Wenn wir mal von einem Pachtzins von 365,- Euro (rechnet sich leichter) pro Jahr, pro Hektar ausgehen und noch ein bisschen Körner, Strom und ein paar Extras wie Pediküre, Federreinigung, Ei-Phone-Vertrag und ab und zu mal Kino (Chicken Run, Kokowää, “Die Hühner” von Hitchcock oder “Kräh langsam”, Teil 2) dazurechnen und das dann durch die Anzahl der Eier teilen (jeden Tag ein Ei und sonntags auch mal zwei), dann kämen wir wahrscheinlich so um die 7,50 Euro pro Ei raus.

Aber das sollte uns unser gutes Gewissen doch wert sein, oder???

PS: Für mich als anspruchsvolle und verantwortungsbewusste Verbraucherin ist ja außerdem wichtig, dass kein Pferd oder Fisch im Ei ist… Aber Moment mal - was ist das???… Ich les’ gerade von noch so einem oben erwähnten Haudegen: Dem Deutschen Lachshuhn… Ach Du dickes Ei! Vor nix is’ man sicher…

PPS: Bevor jetzt einer mit Plagiatsvorwürfen kommt: Die Grundidee von der psychologischen Betreuung für Hühner stammt von einem Kabarettisten! Ich weiß leider nicht mehr von welchem, sonst würde ich die Quelle natürlich benennen! Das ganze Drumherum ist mir aber selber eingefallen - floss quasi geradezu auf die Tastatur… bei den Vorgaben dieser Tage ja auch kein Wunder ;-)

Ohrenschlackern

20. Juni 2012

Seit letzten Montag weiß ich endlich, warum Arbeitskreissitzungen nicht-öffentlich, also quasi geheim sind. Das ist mir im Ausschuss für Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt, dem StuVU aufgegangen, nachdem ich meinen Mund wieder zugekriegt und einmal kräftig mit den Ohren geschlackert hatte. Die sind nämlich deswegen geheim, also die Arbeitskreise, damit keiner merkt, wenn man schlaue Erkenntnisse aus schlauen Vorträgen, die dort gehalten werden, einfach ignoriert. Also sozusagen erkenntnisresistent ist. So wie die CDU und das BüFo und auch WNKUWG und teilweise die FDP.

Der Herr Dr. Prusa hat dann auch mal lieber gar nichts dazu gesagt, sondern die Hand vor den Mund gehalten - wahrscheinlich, damit man ihn nicht grinsen sieht oder weil er sonst geplatzt wäre. Weil er ja derjenige ist, der immer die schlauen Vorträge im Arbeitskreis Stadtentwicklung hält. Geheim natürlich. Und da hat er unter anderem auch gesagt, dass das mit den neuen Siedlungsflächen nicht so weiter gehen kann in Wermelskirchen, weil die ja unglaubliche Kosten nach sich ziehen: Für Kindergärten und Schulen, für Busse, für Abwasserkanäle, Straßenerhaltung, Winterdienst, Spielplatzpflege, mehr Verkehr und so weiter und dass wir ja auch eigentlich schon mehr als genug Bauflächen haben.

Das muss ja alles nachher bezahlt werden und zwar nicht vom Herrn August Schmidt, der im Höferhofer Feld in Dabringhausen 92 Häuser bauen will, sondern von uns allen.

Trotzdem wollte die CDU auf Teufel komm raus dem Herrn Schmidt das Bauen da erlauben. Warum weiß ich nicht, aber wahrscheinlich weiß das der Herr Dr. Prusa. Schließlich kann der nicht nur schlaue Vorträge halten, sondern ist auch noch der Chef von der CDU. Natürlich kann der das gut auseinanderhalten und das eine hat ja auch nix mit dem anderen zu tun hat, nicht, dass da jetzt einer was falsch versteht.

Wahrscheinlich weiß der Herr Dr. Prusa auch, warum der Herr Bosbach direkt nach der Abstimmung zum Telefonieren raus gegangen ist. Vielleicht hat ja der Herr Schmidt schon mit der Schüppe oder mit dem Kuli in der Hand auf einen Anruf gewartet, aber das werden wir wohl nie erfahren…

Mehr Netto

13. April 2012

“Wer mehr verdient, zahlt automatisch mehr Steuern und Abgaben. Doch das Ausmaß der Abzüge mindert die Freude dann doch.”
Kommentar von Kerstin Schwenn in der faz heute.

Liebe Frau Schwenn,

Wohl dem, dessen Freude über den eigenen Verdienst so groß ist (wie offensichtlich ihre), dass sie durch “das Ausmaß der Abzüge” noch gemindert werden kann! Will sagen: Einen bescheuerteren Kommentar habe ich schon lange nicht mehr gelesen!

Sie schreiben, der Staat sichere sich “über die kalte Progression und höhere Beitragssätze zur Kranken- und Arbeitslosenversicherung einen übermäßigen Anteil am Einkommen der Beschäftigten.” Die “unverhofften Milliardenbeträge” sollten nicht für “überflüssige Wohltaten” wie etwa Arbeitsförderprogramme oder Zuschussrente für Geringverdiener “verschwendet” werden, fordern Sie und fragen: “Hatte die Koalition nicht „Mehr Netto vom Brutto“ versprochen?”

Nein, liebe Frau Schwenn, das hatte die Partei versprochen, der Sie offensichtlich anhängen. Diejenige, die - wie wir jetzt auf Wahlplakaten lesen können - Christian Lindner gehört. Wie man hört, hat er einen Kredit über 800.000 Euro aufgenommen, um sie zu kaufen, damit er sagen kann: “Das ist meine FDP!”

Von mir aus können Sie beide sich die teilen - ich will nix davon abhaben. Und dann können Sie zusammen ein Tässchen heulen, über die wenigen, Ihnen verbliebenen Penunsen…

Danke für das Bild an Simon Stützer, Jena!

Ach so - kurz nach diesem Kommentar las ich folgende Schlagzeile auf der Nachrichtenseite von t-online: “Millionen Bürgern droht tiefe Rentenlücke” - na denn mal schnell runter mit den Beitragssätzen…

Ware Mensch…

6. Januar 2012

Aus dem Angebot eines “Personal-Dienstleistungs”-Unternehmens:

“…Wir unterbreiten Ihnen auf der Grundlage des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes folgendes Angebot:
Fachlagerist – 17,80 €
Spätschicht 14.00-22.00 Uhr 15% Nachtschicht 22.00-6.00 Uhr 25% Überstd. ab 40 Std. 25% Sa.-Zuschl.50%… Unser Fahrdienst tritt bei sechs Mitarbeitern pro Schicht in Kraft.”

Mengenrabatt ab sechs, Zuschläge ab 10 - ist das jetzt nur ungeschickt formuliert oder menschenverachtend? Die Verpackungseinheit ist auch nicht eindeutig definiert - ganz zu schweigen von Garantiebedingungen. Nur die Lieferbedingungen: Ab sechs Stück frei Haus…

Freibad Dabringhausen

3. Januar 2012

Das verdient wirklich Respekt und Anerkennung: Der Freibad Förderverein Dabringhause e. V. hat Stand 30. Dezember bereits 18.712 Euro an Spendenzusagen erhalten. Knapp ein Fünftel also…

Nur - ein Fünftel wovon eigentlich?

Der Spendenaufruf fußt auf einer Aussage von Henning Rehse in der RP vom 19.12.2011: “Einen Funken Optimismus versprühte dagegen Hennig Rehse (WNKUWG) mit seiner Aussage, dass die Politiker die Entscheidung zum Freibad noch einmal überdenken würden, sollte der Förderverein es schaffen, 100 000 Euro an verbindlichen Spendenzusagen zu erhalten.”

Diese Aussage von Henning Rehse verursacht mir, so gut sie gemeint sein mag, mehr und mehr ein mulmiges Gefühl, um nicht zu sagen - Bauchschmerzen. Ich halte es für hochgradig unseriös, zu behaupten, dass “die Politiker” ihre Entscheidung zum Freibad Dabringhausen noch einmal überdenken würden. Es kann sein, dass sie das tun, aber:

- Herr Rehse kann nicht für “die Politiker” sprechen (wenn überhaupt, könnte das vielleicht der Bürgermeister und der tut es aus aus gutem Grund nicht)
- es ist noch keine endgültige Entscheidung gefallen
- sind wir hier in Wermelskirchen nicht bei “Wetten, Dass…?”, sondern in einer äußerst schwierigen Haushaltssituation!

Unseriös finde ich die Aussage insbesondere deshalb, weil sie bei den hochmotivierten Mitgliedern des Fördervereins, stellvertretend sei hier Frau Djenati genannt, Hoffnungen wecken, die vielleicht nicht erfüllbar sein werden. Wir alle kennen noch nicht den Entwurf zum Haushaltssicherungs-Konzept. Und deshalb kann auch Henning Rehse noch keine seriöse Aussage darüber machen, ob 100.000 Euro ausreichen, um das Freibad zu retten.

Was sollen “die Politiker” dann dem Förderverein sagen? Und was sollen wir all den anderen Vereinen sagen, denen wir trotz Sparbemühungen vielleicht das Aus erklären müssen und das wegen geringerer Summen?

Nicht zuletzt ist es auch eine Art Erpressung von Henning Rehse: Dem Verein gegenüber (wenn Ihr Euch nicht anstrengt, gibt es auch nix und wenn Ihr es nicht zusammenkriegt, wollt Ihr das Freibad auch nicht wirklich) und auch “den” Politikern gegenüber (wenn Ihr jetzt noch den Daumen senkt, verratet Ihr die Dabringhauser).

Ich schätze das Engagement des Fördervereins Freibad Dabringhausen schon jetzt sehr hoch - unabhängig von der Summe, die letztendlich herauskommen wird, ist seine Leistung unbestritten höchst respektabel. Umso schlimmer finde ich es, dass hier auf dem Rücken der Mitglieder und gutgläubiger Spenderinnen und Spender Hoffnungen geschürt werden, deren Erfüllung bei jetzigem Stand noch jegliche belastbare Grundlage fehlt.

Auch ich will gerne das Freibad Dabringhausen erhalten. Was ich aber nicht will, ist, mich von der dahingeworfenen populistischen Wette eines Politikers erpressen lassen…

Und, wie so oft in meinem Leben, wird auch diese Situation treffend, wenn auch bissig, von einem Cartoon von F. K. Waechter illustriert:

Nachtrag 07.01: Jetzt greift auch die BM das Thema auf: foerderverein-kaempft-weiter-fuers-freibad