On Topic

die mona lisaJa, stimmt es ist etwas still geworden hier. Und: Nach der Wahl ist immer auch vor der Wahl, aber eben auch nach der Wahl. Und mit der Wahl haben uns die WählerInnen einen Denkzettel verpasst. Nur leider stand nix drauf. Und das, was die vielen Gewinner jetzt gern im Nachhinein draufschreiben möchten, kann ich so nicht ungefiltert akzeptieren. Zuviel Siegesgetöse. Und deshalb muss ich eben momentan viel nachdenken. Denn das tue ich gewöhnlich, bevor ich etwas sage, mindestens aber bevor ich etwas schreibe.

Zudem kommt, dass ich ja mit meiner Kandidatur und mit meinem Mandat auch eine Verpflichtung eingegangen bin nachzudenken und dementsprechend dann auch für unsere Stadt verantwortlich mit anzupacken. So sehe ich das jedenfalls.

Für SPD, CDU, Grüne und (leider auch) FDP ist außerdem momentan defintiv auch noch vor der Wahl. Da haben die anderen eleganterweise nix mit zu tun, was vermutlich auch zum Teil zu ihrem kommunalen Erfolg beiträgt. “Forum”, “Wählergemeinschaft” und “Neue Kommunalpolitik” hören sich eben viel eher nach uneigennützigem Verein an, nach Bürgerinitiative. Das klingt für viele in heutigen Zeiten der Politikverdrossenheit wahrscheinlich sympathischer. Das aber Parteien wesentlicher Bestandteil unserer parlamentarischen Demokratie sind, scheint nicht jedem mehr bewusst zu sein.

Dabei frage ich mich, was sich manche Menschen unter Kommunalpolitik eigentlich vorstellen? Warum auch bei KommunalpolitikerInnen immer von “Machterhalt” gesprochen wird, ist mir ein Rätsel. Welche Macht denn? Die, sich während seiner freien Zeit mit Verwaltungsvorlagen herumzuschlagen? Die, sich in brüllender Hitze die Hacken abzulaufen und Prospekte zu verteilen? Die, am Wochenende Anträge auszuarbeiten und den Wahlsonntag komplett im Wahllokal zu verbringen?

Da kann man sich schon mal fragen, warum man sich das eigentlich antut und warum viele Menschen bereit sind, über das Verhalten der PolitikerInnen vor Ort und auch bundesweit zu meckern und zu spekulieren, aber nur wenige bereit sind auch mitzuarbeiten. Ich glaube sogar, nur wenige von denen, die noch vor einer Woche am Laternenpfahl hingen, haben sich vorher wirklich klar gemacht, dass eventuell Arbeit für das Gemeinwohl auf sie zukommen könnte, aber das wird sich ja zeigen in den nächsten fünf Jahren.

Vielleicht habe ich aber auch nur noch nicht begriffen, welche Macht mir jetzt als Stadtverordnete obliegt. Und darüber muss ich eben momentan noch viel nachdenken… (Am 4. Mai werde ich bei Ihnen sein - kleiner Insider ;-) - nicht ganz korrekt übersetzt)

2 Reaktionen zu “On Topic”

  1. Wolfgang Horn

    Nach der Wahl ist wirklich nach der Wahl. Und wenn man für einen schlechten Wahlkampf die Quittung bekommen hat und vom Bürger belehrt werden mußte, daß man an seinen Interessen vorbei operiert hat, ist Nachdenklichkeit etwas, für das man wirklich nicht kritisiert werden kann. Insoweit muß man die vorübergehende Stille in Ihrem Blog auch aushalten. Andererseits bin ich froh, daß sich nun Sozialdemokraten wieder zu Wort melden, wenn auch vereinzelt, wenn auch noch nicht als Partei. Ich finde im übrigen, daß der Denkzettel vollgeschrieben war. Man muß nur auch lesen wollen. Zum Thema Machterhalt. Es geht, natürlich auch in der Kommunalpolitik, um die Gestaltungsmacht. Sie wollten die gemeinsam mit der CDU behalten und ausbauen und einen neuen Bürgermeister installieren. Das ist Ihnen nicht gelungen. Die Mehrheiten sind jetzt andere. Von dieser Macht, die Parteien im kommunalen Parlament haben (können), kann man nicht ablenken durch den Verweis auf die Ehrenamtlichkeit oder auf staubtrockene Verwaltungsvorlagen, in die man sich als Stadtverordnete einzuarbeiten hat. Es geht schließlich allen Parlamentariern auf allen politischen Ebenen nicht anders. Wer kandidiert hat, wußte, daß nach dem Sich-die-Hacken-ablaufen die Verwaltungsvorlagen warten. Wer in die Politik geht, auch in die Kommunalpolitik, der macht es sich freiwillig schwerer als jene, die nur beobachten. Das verdient den vollen Respekt, über alle Parteigrenzen hinweg. Ein letzter Satz zum Siegesgetöse: Natürlich ist die Zahl der Sieger groß. Denn zwei Große haben, überraschend, verloren, vier Kleine dagegen, unerwartet, gewonnen. Und der Bürgermeister hat seine Unterstützung in allen Lagern erhalten. Aber Getöse? Am Wahlabend, klar, ein paar Tage danach auch. Aber nun? Ich bin sicher, daß auch wieder Nachdenklichkeit einziehen wird, einziehen muß, auch bei denen, die getöst haben…

  2. Petra

    Lieber Herr Horn,

    danke für Ihre - auch immer - aufmunternden Worte! Zu Ihrem letzten Satz möchte ich am liebsten Franz Beckenbauer zitieren…

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