Die 9. Partei

Eigentlich wollte ich zu dem Thema vor der Wahl gar nichts mehr schreiben. Als ich jetzt aber in die Online-Ausgabe der BM schaue, klappte mir die Kinnlade noch einmal ein Stück tiefer herunter, als sonst schon immer bei der Lektüre.

Seit drei Tagen ist ja die Kommentarfunktion verschwunden. Nicht in der Remscheider Ausgabe, nicht in der aus Bergisch-Gladbach oder der RP Düsseldorf - nein, nur in Wermelskirchen! Wer also jetzt als Bürgerin oder Bürger dieser Stadt einen Kommentar zum aktuellen Geschehen in Wermelskirchen abgeben will, muss das in einem Remscheider Artikel tun. Zugegeben - der Zusammenhang könnte dann dem einen oder anderen Leser dort etwas mysteriös vorkommen…

Über die Gründe kann man nur spekulieren, weil es keine Aussage seitens der BM dazu gab. Waren es die Kommentare, die in sachlichem Ton Hintergründe über die selektive Berichterstattung der BM beleuchteten oder ist tatsächlich der eine oder andere Kommentar über das Ziel hinaus geschossen? Auch in zweitem Fall muss man sich natürlich fragen, was Ursache und Wirkung war und warum nur in Wermelskirchen? Auch in anderen Online-Zeitungen mit Kommentarfunktion geht es bisweilen hoch her und einzelne Kommentare werden gesperrt, aber gleich die ganze Funktion und das nur in einem lokalen Teil?

Heute aber (und das ist der Grund für meinen Eintrag auf die Schnelle, während der Kirmes) sehe ich an oberster Stelle in der Online-Ausgabe der Bergischen Morgenpost einen Artikel, der dort schon vor zwei Tagen erschienen war und damit eigentlich 4 Positionen tiefer unten hätte stehen müssen. Er ist also extra zu diesem Anlass nach oben geschoben worden. Fette Überschrift: “Ich wähle am Sonntag nicht!”

Einen Tag vor der Wahl also noch einmal ein Appell seitens der 9. Partei in Wermelskirchen, der Bergischen Morgenpost, doch nicht wählen zu gehen und die Begründung gleich mitgeliefert.

Was soll das??? Haben die nicht schon genug Politikverdrossenheit produziert?

Lassen Sie sich nicht verdrießen - gehen Sie wählen!

11 Reaktionen zu “Die 9. Partei”

  1. Henning Rehse

    Wenn der Frust zu groß wird, kann er bei bestimmten Leuten leicht in Verfolgungswahn umschlagen - V :)

  2. Wolfgang Horn

    Liebe Frau Weber,
    wäre ich BM-Redakteur, hätte ich eine Reihe von Kommentaren nicht zugelassen, weil sie ganz deutlich jenseits allen erträglichen Niveaus waren, weil in ihnen Behauptungen und Kommentare weit unterhalb jeder Gürtellinie zu Persönlichem von am Wahlkampf Beteiligten zu lesen waren. Kommentare dürfen ein bestimmtes Mindestniveau nicht unterschreiten, da werden Sie mir doch gewiß zustimmen. Nun hat die BM dies aber nicht getan, nämlich die Kommentarspalte moderiert. Vielleicht bleibt dann nur, sie einfach abzuschalten, wenn es allzu arg wird. Ich stimme Ihnen zu: Ein Teil der Kommentare war ausgesprochen sachlich. Deren Verfasser müssen jetzt mit ausbaden, was andere angerichtet haben.

  3. EDV-Schrauber

    Sehr schön, Herr Horn! Wenn Sie Redakteur wären…

    Da verteidigen Sie in Ihrem Blog am 23. August noch engagiert die Pressefreiheit. Da wird mit blumigen Worten das Grundgesetz zitiert, um die recht einseitigen Artikel von Frau Tillmanns zu verteidigen (die in meinen Augen nichts als üble Pamphlete sind).

    Aber wenn es denn dann plötzlich in den Kram passt, darf “ein Mindestniveau nicht unterschritten werden”? Lesen Sie noch mal das Grundgesetz, aber bemühen Sie sich bitte auch es zu verstehen.

    Von einer Gürtellinie kann ich da nämlich nichts entdecken, letztendlich wohl aber von einem Rahmen des gesetzlich Erlaubten.

    Und jetzt die Quizfrage: Wurden die Kommentare gelöscht (bzw. gesperrt) weil sie sich ausserhalb des gesetzlich Erlaubten bewegten, oder vielleicht weil sie nicht genehm waren?

    Abgesehen davon darf die BM in ihren Artikeln (bzw. den abgegebenen Kommentaren) sicherlich schalten und walten, wie sie will. Die haben da nämlich (virtuelles) Hausrecht. Aber die Art des Umganges mit nicht genehmen Kommentaren spricht schon für sich…

    Und Herr Rehse: Würden Sie mir bitte kurz erläutern, wo Sie da Verfolgungswahn herauslesen?

    Mit freundlichem Gruß
    -EDV-Schrauber-

  4. Petra

    Hallo Henning,

    ich glaub’ Du hast Recht. Es handelt sich bestimmt nur um einen technischen Defekt!
    gez. Fletscher :-)

    Was soll eigentlich das V bedeuten? Peace oder Victory? Oder: “Zwei Bier für mich und Petra”?

    Und: Frust? Wieso sollte ich frustriert sein? Wahlausgang werden wir erst heute Abend kennen und egal wie der sein wird - Frust kommt in meinem Werkzeugkasten für danach nicht vor… “Anpacken” haben wir in unserem Würfel stehen…

  5. Wolfgang Horn

    Lieber Schrauber,
    ich fürchte, Sie haben die Kommentare (in der BM) nicht wirklich gelesen. Die, die vor Beleidigungen und Ehrabschneidungen nur so strotzten. Da findet nämlich, wenn sie die gar nicht blumigen Worte des Presserechtes, genau läsen, auch das Presserecht eine Grenze. Es geht nicht um vermeintliche Einseitigeit. Kleine Kostprobe: Ich kann jetzt nicht mehr wörtlich zitieren; aber wenn dort zu lesen war, unser Bürgermeisterlein sei ja schon in bedenklichem Zustand aufgegriffen worden, und der Schreiber auf mehrfache Aufforderung anderer Kommentatoren keinen weiteren Wahrheitsbeweis liefert, sondern sogar noch unflätig nachlegt, dann wissen Sie, was ich meine. Die BM hat alle Kommentare jetzt gestrichen. Ich habe für ein moderiertes Forum plädiert. Das sind schon Unterschiede, liebe Schrauber.

  6. Wolfgang Horn

    Bei den zwei Bieren wäre ich dann gerne dabei - also: III…

  7. Wolfgang Horn

    Es ist so still hier …
    Schade.
    Ich komme trotzdem wieder.

  8. EDV-Schrauber

    @Wolfgang Horn:
    Ja, ist mir auch aufgefallen. Dabei ist doch nach der Wahl auch
    immer vor der Wahl. Interessante Themen gibt es doch genug!

    Ich zitiere hier zum Beispiel den neuen technischen Beigeordneten:
    “EU-Ausschreibung ist für den Loches-Platz der sauberste Weg”

    Jetzt weiß ich natürlich nicht, ob Herr Prusa dem Bürgermeister-
    Block oder eher der Oppsition zuzuordnen ist.

    Mal sehen, wie es da jetzt weitergeht. Schließlich hat der Bürger-
    meister ja jetzt de facto eine absolute Mehrheit. Und wie die
    Geschichte uns lehrt, sind absolute Mehrheiten ja immer eine
    tolle Sache…

  9. Wolfgang Horn

    Naja, ganz so, wie Sie schreiben, ist es wohl nicht. Heute morgen kann man in der Rheinischen Post lesen, daß nach Ansicht des Beigeordneten die europaweite Ausschreibung für den Loches-Platz aufgehoben werden muß: “Der Stadtrat hat keine andere Wahl”, sagt Dezernent Dr. André Benedict Prusa auf Nachfrage der BM.” Dr. Prusa weise darauf hin, dass die gescheiterte EU-Ausschreibung von der Verwaltung auf jeden Fall aufgehoben werden muss. Weil die Stadt ansonsten mit Regreßansprüchen zu rechnen habe.
    Dabei ist die Frage nicht, welchem Block im Stadtrat der Beigeordnete zuzurechnen ist. Sondern, ob der Ausschreibungstext zureichend war oder nicht.
    Und schließlich: Der Bürgermeister hat die überwältigende Mehrheit bei den Bürgern. Im Stadtrat wird er wohl noch dafür sorgen müssen, daß die Parteien dies auch respektieren. Wobei ich mir eigentlich nicht vorstellen kann, daß und wie die bisherigen Mehrheitsparteien weiterhin Obstruktion betreiben können und wollen. Es geht eher um neue Integration, Räumung von Machtpositionen, die Entwicklung eines neuen Konsens im Interesse des Gemeinwohls. Die knappen Mehrheiten verführen nur kurze Zeit, Ich hab’s in meinem Blog schon geschrieben. Irgendwann kehrt auch bei den Siegern der Wahl Realismus ein. In dem Sinne, daß man nicht dauerhaft gegen den erheblichen Teil der Bürger regieren kann, die von CDU und SPD vertreten werden. Jetzt gilt, was vor der Wahl für CDU und SPD schon gegolten hat, auch für Büfo, WNKUWG und FDP.

  10. EDV-Schrauber

    Hallo,

    also ich zitiere aus

    http://www.rga-online.de/lokales/wermelskirchen.php?userid=&publikation=2&template=phparttext&ausgabe=49931&redaktion=2&artikel=109226860

    der so auch in der Printausgabe stand. Die Frage ist: Wird die erste
    gescheiterte Ausschreibung zurückgezogen oder soll generell keine
    Ausschreibung mehr erfolgen (EU-weit!)?

    Zum zweiten Teil: Das würde von allen beteiligten “Politikern” Demut
    und gesunden Menschenverstand erforden… und ab hier ist die Sache
    wohl schon gestorben. Sie haben ja in Ihrem Blog schön am Beispiel
    von Herrn Rehse gezeigt, wie es damit aussieht.

    Mit freundlichem Gruß
    -EDV-Schrauber-

    PS: Vielleicht sollten ich das Gespräch mit Ihnen besser in Ihrem Blog
    fortsetzen, wir sind nämlich schon seeehhhr off-topic… :-)

  11. Wolfgang Horn

    @edv-schrauber
    Gestorben? So schnell stirbt es sich nicht im Bereich der Politik, auch der kommunalen. Man wird wohl dicke Bretter bohren müssen. Aber auch das ist bekannt.
    Wir können das fortsetzen, wo immer Sie wollen. Ich hatte nur gehofft, daß Frau Weber an der Debatte teilnimmt. Es wird sich wohl um eine allgemeine Vor- und Nachwahlmattigkeit handeln.

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