Bio-Eier (oder fremde Federn…)

Bald is’ ja wieder Ostern. Und deshalb MUSS ich jetzt mal darüber reden… Die letzten Lebensmittelskandale haben mich als Verbraucherin echt tief betroffen gemacht, um nicht zu sagen, große Teile meines Weltbildes zum Einsturz gebracht.

Zum Beispiel Eier. Ich will ja, dass es den HühnerInnen und Hühnern gut geht. Deshalb kaufe ich immer Bio-Eier. Und ich finde, da kann ich als Verbraucherin ja wohl erwarten, dass sich um die Produzentinnen vernünftig gekümmert wird!!! Also zum Beispiel, dass die persönliche Betreuerin den Hektar grünen Ackers, auf dem mein(!) Huhn herumläuft, nur in Begleitung einer Tierpsychologin betritt, die die Diskussion mit dem Huhn darüber, ob es bereit ist, ein Ei aus seiner Produktion abzugeben, mit Sachverstand begleitet! Und mit Empathie! Das ist schließlich keine leichte Entscheidung für ein Huhn! Je nach politischer Couleur möchte es vielleicht auch wissen, ob sein Ei - sein Baby! - an gleichgeschlechtliche Lebenspartner, an Singles oder an Familien mit Kindern abgegeben wird! Ganz zu schweigen von der religiösen Perspektive.

Ich hatte auch schon einmal daran gedacht, ganz auf Eier zu verzichten. Aber als bewusste Verbraucherin habe ich mich auch gleich gefragt: Helfe ich den Betroffenen damit wirklich? Irgendwie müssen sie ja ihren Lebensunterhalt bestreiten, die Chicks. Von dem Vater des Eies kann das Huhn ja nun auch keine Unterstützung erwarten. Was das für Halunken sind, hört man doch schon an den Namen: Bergischer Schlotterkamm! - nach Familiensinn hört sich das nicht an. Oder die ganzen Migranten: Altenglischer Kämpfer, Appenzeller Spitzhaube, Sizilianer oder Polnischer Grünfüßler. Eine nachhaltige Familienplanung kann man mit so einem doch - bei aller Verbraucherliebe und -unterstützung - nicht aufbauen! Deswegen finde ich, die alleinstehenden Eierleihmütter sollen wenigstens ordentlich entlohnt werden. Deshalb kaufe ich Bio-Eier.

Und jetzt bin ich wirklich sehr, sehr enttäuscht und traurig, weil ich hören musste, dass mein Geld gar nicht bei den Produzentinnen ankommt! Dass diese teilweise nur Junkfood kriegen und mit bis zu acht Artgenossinen auf einem Quadratmeter leben müssen. Das finde ich wirklich skandalös und vor allem: ICH fühle mich BETROGEN!!! So was kann man mit bewussten Verbraucherinnen wie mir nicht machen! Und am Ende muss man sich dann auch noch vorwerfen lassen, man wäre ja selbst schuld, von wegen billig-billig.

Platz genug wäre doch! Gut, bei 35.700.000 Hektar Fläche in Deutschland müssten ein paar der ca. 40 Mio. Legehennen sich einen Hektar teilen, aber dafür könnten sie ja steuerlich begünstigt werden - Homo-Eiergattensplitting sozusagen. :-)

Gut, es könnte natürlich sein, dass die Eier dann ein bisschen teurer würden. Wenn wir mal von einem Pachtzins von 365,- Euro (rechnet sich leichter) pro Jahr, pro Hektar ausgehen und noch ein bisschen Körner, Strom und ein paar Extras wie Pediküre, Federreinigung, Ei-Phone-Vertrag und ab und zu mal Kino (Chicken Run, Kokowää, “Die Hühner” von Hitchcock oder “Kräh langsam”, Teil 2) dazurechnen und das dann durch die Anzahl der Eier teilen (jeden Tag ein Ei und sonntags auch mal zwei), dann kämen wir wahrscheinlich so um die 7,50 Euro pro Ei raus.

Aber das sollte uns unser gutes Gewissen doch wert sein, oder???

PS: Für mich als anspruchsvolle und verantwortungsbewusste Verbraucherin ist ja außerdem wichtig, dass kein Pferd oder Fisch im Ei ist… Aber Moment mal - was ist das???… Ich les’ gerade von noch so einem oben erwähnten Haudegen: Dem Deutschen Lachshuhn… Ach Du dickes Ei! Vor nix is’ man sicher…

PPS: Bevor jetzt einer mit Plagiatsvorwürfen kommt: Die Grundidee von der psychologischen Betreuung für Hühner stammt von einem Kabarettisten! Ich weiß leider nicht mehr von welchem, sonst würde ich die Quelle natürlich benennen! Das ganze Drumherum ist mir aber selber eingefallen - floss quasi geradezu auf die Tastatur… bei den Vorgaben dieser Tage ja auch kein Wunder ;-)

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