Die Wanne ist voll

Schon länger schwelt in mir ein Entschluss. Heute ist er endgültig gefallen. Dem armen Menschen, der mir am Telefon ein Abonnement der Bergischen Morgenpost verkaufen wollte, habe ich es schon gesagt. Auf seine Frage hin, warum ich denn noch nicht einmal ein klitzekleines Probe-Abo haben wolle, antwortet ich ihm: “Wegen der Berichterstattung im lokalen Teil.” “Ja super”, sagte er resigniert seufzend und mich beschlich der Eindruck, er hätte dieses Argument schon öfter gehört.

Wie gesagt, heute ist das Fass übergelaufen.

Nichts gegen Herrn Teifel und die vielen anderen engagierten Redakteurinnen und Redakteure. Aber solange Frau Tillmanns in der Bergischen Morgenpost schreibt und dort ihre Meinung verbreitet, werde ich dieses Blatt nicht mehr lesen.

Weder auf Papier, noch online.

Abgesehen davon, dass ich ihren schludrigen Umgang mit der deutschen Sprache nicht mehr ertragen kann und es leid bin, mich über Schreibfehler, falsche Grammatik und abgeschnittene oder sinnentstellend zusammengefügte Sätze zu ärgern, finde ich es inakzeptabel, seine persönliche Meinung unter dem Deckmantel der überparteilichen Berichterstattung zu verbreiten. Das ist subversiv.

Das Beispiel von heute

Bereits die Überschrift “Polizei - Parteien kränkeln” ist reine Interpretation und ohne jeglichen aktuellen Nachrichtenwert, sondern untermauert nur das Meinungsbild von Frau Tillmanns, die schon seit Wochen beharrlich daran arbeitet, die Politikverdrossenheit der Bürgerinnen und Bürger zu schüren, indem sie immer wieder behauptet, Politiker würden “den Bürgerwillen ignorieren” oder gar “mit Füßen treten” oder “verhöhnen”.

In der Einleitung geht es weiter. Die mehr oder weniger sachliche Diskussion im Hauptausschuss am 29.11. um die Polizeiwache wird als “Debakel” bezeichnet und die Argumentation der Polizeiführung als “Werbeblock”.

“Werbeblock” entbehrt dabei nicht einer gewissen Ironie, soll es doch offensichtlich negative Empfindungen bei den Lesern hervorrufen, die Fernsehen noch in schwarz/weiß kennen und auch noch wissen, was ein Testbild ist (zu denen ich übrigens auch gehöre - nicht, dass wieder gesagt wird, ich würde jemanden verhöhnen). Werbeblöcke werden von solchen vornehmlich als störend empfunden, als Unterbrechung einer vielleicht schlüssigen Erzählhandlung.

Während eines solchen Werbeblocks kann es passieren, dass man sich entschließt umzuschalten, weil man plötzlich merkt, dass die Handlung doch nicht so fesselnd ist oder vielleicht auch unplausibel. Insofern ist die Bezeichnung “Werbeblock” für den Vortrag der Polizeiführung eigentlich sogar ganz treffend gewählt: Denn durch das Darlegen von Argumenten für einen anderen Standort wurde natürlich die populistische Panikmache und actionreiche Aufführung derjenigen, die die Wache koste-es-was-es-wolle neben dem Rathaus behalten wollen, in ihrer scheinbaren Stringenz unterbrochen - und damit den wenigen Zuschauern, die im Hauptausschuss waren, die Möglichkeit gegeben, die Sache auch mal von einer anderen Seite aus zu betrachten. Das wiederum stört natürlich den Versuch, die Meinung der Bevölkerung in nur eine Richtung zu lenken erheblich…

Immer noch in der Einleitung behauptet Frau Tillmanns sodann, dass Kritik an den Parteien aufkomme und diese die Probleme der Bürger missachteten und sich abschotteten. Wer außer ihr sagt das? Frau Tillmanns zitiert dazu gerne (wenn auch oft falsch) unseren Genossen Wolfgang Horn, der seine Gedanken zum Thema Parteienkultur in seinem Blog “Wortgefecht” veröffentlicht und auch auf dem SPD-Blog “Die Dellmänner”. Das ist ja eine Sache (und zwar eine gute!), wenn ein politisch interessierter Mensch seine Meinung in einem privaten Blog oder auch in einem Partei-Blog äußert und damit Diskussionen anstößt. Schließlich wollen wir das ja gerade als Partei und auch als Ortsverein - sonst hätten wir schließlich kein Blog auf unserer Website. Eine ganz andere Sache ist es aber (und zwar keine gute), wenn eine Redakteurin den scheinbar neutralen Boden einer Tageszeitung nutzt, um ihre persönliche Meinung zu publizieren und die der Leserinnen und Leser zu manipulieren.

Im Fall der heutigen Publikation gipfelt das im “Kommentar” zum “Artikel” (ich persönlich glaube, Frau Tillmanns schreibt nur “Kommentar” über den einen Teil ihrer Artikel, damit der Eindruck erweckt wird, bei dem anderen Teil handele es sich um sachliche “Berichterstattung”). Dieser titelt “Warum nicht auch Schulen verlegen?!” und im Grunde ist das schon so aberwitzig, dass es meine Kritik von selbst erklärt, aber ein paar Bemerkungen kann ich mir dennoch nicht verkneifen.

Bevor der Kommentar völlig ins Absurde abdriftet und zur Karnevalsmetaphorik gegriffen wird, werden auch hier wieder aus der Luft heraus Behauptungen aufgestellt (“das Gros der Bürger will die Polizeiwache”, “das Gros der Parteien vor Ort hört aber nicht auf die Bürger”), Frechheiten losgeschossen (“das Gros der Parteien…duckt sich in vorauseilendem Gehorsam einer Obrigkeitshörigkeit dem Landrat gegenüber” (was zudem semantisch völlig verkorkst ist)) und falsche Sachverhalte angeführt (dass “Parteien von sich aus beantragen, die Polizeiwache aus dem Herzen von Wermelskirchen zu verlegen”). Meines Wissens gibt es keinen(!) Antrag, in dem steht, dass der Bürgermeister die Polizeiwache verlegen solle - und schon gar nicht “aus dem Herzen Wermelskirchens” - nein sorry: “…von Wermelskirchen”.

…Das würde ja dann nachher bluten und dann müssten alle weinen und es gäbe Rauch in der Stadt und vermutlich Sitzblockaden und Pfefferspray und Wasserwerfer! Und dann auch noch kein Gymnasium mehr und keine Realschule! Keine Sicherheit mehr, keine Bildung mehr - wo soll das alles enden? Kölle Alaaf!… 8-))) *

*Hier merkt die geneigte Leserin, der geneigte Leser, dass mir jetzt so langsam die Ernsthaftigkeit abhanden kommt - aber diese Form von Journalismus noch ernst zu nehmen, kann auch wirklich keiner von mir verlangen…

Auch interessant in diesem Zusammenhang - die Stellungnahme von Jochen Bilstein auf der SPD-Homepage

Eine Reaktion zu “Die Wanne ist voll”

  1. Don Pedro

    Lieber Frau Weber,

    für wahr, für wahr…. ich sehe schon die Stadt vor lauter Polizeiwachen nicht mehr.
    Schön war aber auch in der Donnerstagsausgabe die Lego Polizeistation. Aber da fehlte das Gerüst, oder?

    Weitermachen!
    Don Pedro

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