Basisdemokratie und BILD

Politik muss die Meinung, die Wünsche, die Nöte und die Vorstellungen der Bürgerinnen und Bürger berücksichtigen. Politik muss aber auch führen. Damit meine ich nicht, autoritär etwas aufdrücken. Ich meine, Politik muss Entwürfe machen, wie das Zusammenleben aussehen könnte - in der Gegenwart und in der Zukunft. Wäre nicht Helmut Schmidts berühmtes Zitat, würde ich schreiben: Politik muss Visionen entwickeln. Ideale vorgeben, auf die es sich lohnt hinzuarbeiten. Folgt Politik nur noch dem Willen von Bürgerinnen und Bürgern, verkommt sie zur reinen Verwaltung und wird schnell feststellen, dass man es nicht allen Recht machen kann.

Gehen wir mal davon aus, dass die BILD tatsächlich das “Ohr am Volke” hat (ohne hier die Frage zu stellen, inwieweit sie Aufnahmeorgan oder vielmehr Sender ist…), dann lässt sich der Bürgerwille tatsächlich in die zwei Worte fassen, deren Bedeutung schon im Römischen Imperium hinlänglich bekannt waren: Brot und Spiele. (Böse Zungen behaupten, dass das im Berlusconi-Italien heute noch immer so ist #Medienimperium…).

Und so langsam werde ich richtig sauer! Oder um es mit den Worten von Judith Holofernes von “Wir sind Helden” zu sagen: Ich glaube es hackt!

Deshalb ist es mir wirklich drecksegal, welche Beliebtheits-Umfragewerte Herr zu Guttenberg angeblich hat! Darüber kann sich Angela Merkel von mir aus Gedanken machen. Von mir aus kann man mir auch wieder vorwerfen, ich würde den Bürgerwillen nicht ernst nehmen. Aber will mir wirklich einer ernsthaft sagen, wir sollen uns nur von den “beliebtesten” Politikerinnen und Politikern regieren lassen??? Soll ich allen Ernstes glauben, die Mehrheit der Deutschen wünscht sich eine Regierung aus Thomas Gottschalk, Till Schweiger, Theodor zu Guttenberg, Maria Furtwängler, Jogi Löw und dem Maulwurf von René Marik? Hallo? Jemand “ne hage”?

Wenn ich nicht so enttäuscht von dem Aufsatz von Stéphane Hessel gewesen wäre, weil ich mir viel mehr davon versprochen hatte, dann würde ich jetzt laut rufen: Empört Euch!

Das können wir doch nicht auf uns sitzen lassen!

Und wer mir jetzt noch mit “aber der Mann macht doch seine Arbeit gut” kommt, den verweise ich auf “Experten kritisieren Guttenbergs Reformpläne”
oder “Kanzleramt kritisiert Guttenbergs Pläne scharf”, um nur zwei Quellen von eher nicht als “links” verschrienen Zeitungen zu nennen.

Aber wie schon früher geschrieben: Ich glaube nicht, dass Guttenberg das Problem ist - der ist angezählt. Das eigentliche Problem ist Angela Merkel, die hochgradig am Schwimmen ist und ihren Laden nicht im Griff hat (auch sie eine der - oder neuerdings sogar “die” beliebteste Politikerin des Landes!). Frau Merkel verkauft für “Ruhe im Karton” die letzten konservativen Werte, ja, wirft sie nachgerade auf den Müll, beziehungsweise auf den Haufen Handtücher, den all die CDU-Politiker vor Theodor zu Guttenberg dahin geworfen haben - und spaltet damit unsere Gesellschaft.

Nicht mehr und nicht weniger.

3 Reaktionen zu “Basisdemokratie und BILD”

  1. Don Pedro

    Meine liebe Frau Weber,

    da bin ich Ihnen wieder einmal dankbar für: “Und so langsam werde ich richtig sauer! Oder um es mit den Worten von Judith Holofernes von “Wir sind Helden” zu sagen: Ich glaube es hackt!”

    Ohne Abo ihres Blogs wäre das glatt an mir vorbei gegangen. Schön, das es doch noch Menschen mit Haltung gibt.

    Mit vorzüglicher Hochachtung
    Anton Anonymus, sie wissen schon

  2. Tobias Kraus

    Guttenberg ist wirklich nur ein Symptom aber eben nicht nur der der Regierung oder der Medien. Mich enttäuscht, dass er beliebt ist, das Merkel beliebt ist. Die Menschen wählen offenbar bewusst den Schein über das Sein oder das Werden (um philosophisch zu werden). Man schaut mit glänzenden Augen auf die Elite in Maßanzügen und versucht nichts mehr zu verstehen sondern konsumiert nur, was die Elite einem vorsetzt. Das ist keine Herrschaft des Volkes mehr.

  3. Petra Weber

    @Tobias: Wie wahr! Aber lass’ uns ruhig philosophisch werden - vielleicht ist es genau das, was unserer Gesellschaft mittlerweile fehlt…

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