Ware Mensch…

6. Januar 2012

Aus dem Angebot eines “Personal-Dienstleistungs”-Unternehmens:

“…Wir unterbreiten Ihnen auf der Grundlage des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes folgendes Angebot:
Fachlagerist – 17,80 €
Spätschicht 14.00-22.00 Uhr 15% Nachtschicht 22.00-6.00 Uhr 25% Überstd. ab 40 Std. 25% Sa.-Zuschl.50%… Unser Fahrdienst tritt bei sechs Mitarbeitern pro Schicht in Kraft.”

Mengenrabatt ab sechs, Zuschläge ab 10 - ist das jetzt nur ungeschickt formuliert oder menschenverachtend? Die Verpackungseinheit ist auch nicht eindeutig definiert - ganz zu schweigen von Garantiebedingungen. Nur die Lieferbedingungen: Ab sechs Stück frei Haus…

Freibad Dabringhausen

3. Januar 2012

Das verdient wirklich Respekt und Anerkennung: Der Freibad Förderverein Dabringhause e. V. hat Stand 30. Dezember bereits 18.712 Euro an Spendenzusagen erhalten. Knapp ein Fünftel also…

Nur - ein Fünftel wovon eigentlich?

Der Spendenaufruf fußt auf einer Aussage von Henning Rehse in der RP vom 19.12.2011: “Einen Funken Optimismus versprühte dagegen Hennig Rehse (WNKUWG) mit seiner Aussage, dass die Politiker die Entscheidung zum Freibad noch einmal überdenken würden, sollte der Förderverein es schaffen, 100 000 Euro an verbindlichen Spendenzusagen zu erhalten.”

Diese Aussage von Henning Rehse verursacht mir, so gut sie gemeint sein mag, mehr und mehr ein mulmiges Gefühl, um nicht zu sagen - Bauchschmerzen. Ich halte es für hochgradig unseriös, zu behaupten, dass “die Politiker” ihre Entscheidung zum Freibad Dabringhausen noch einmal überdenken würden. Es kann sein, dass sie das tun, aber:

- Herr Rehse kann nicht für “die Politiker” sprechen (wenn überhaupt, könnte das vielleicht der Bürgermeister und der tut es aus aus gutem Grund nicht)
- es ist noch keine endgültige Entscheidung gefallen
- sind wir hier in Wermelskirchen nicht bei “Wetten, Dass…?”, sondern in einer äußerst schwierigen Haushaltssituation!

Unseriös finde ich die Aussage insbesondere deshalb, weil sie bei den hochmotivierten Mitgliedern des Fördervereins, stellvertretend sei hier Frau Djenati genannt, Hoffnungen wecken, die vielleicht nicht erfüllbar sein werden. Wir alle kennen noch nicht den Entwurf zum Haushaltssicherungs-Konzept. Und deshalb kann auch Henning Rehse noch keine seriöse Aussage darüber machen, ob 100.000 Euro ausreichen, um das Freibad zu retten.

Was sollen “die Politiker” dann dem Förderverein sagen? Und was sollen wir all den anderen Vereinen sagen, denen wir trotz Sparbemühungen vielleicht das Aus erklären müssen und das wegen geringerer Summen?

Nicht zuletzt ist es auch eine Art Erpressung von Henning Rehse: Dem Verein gegenüber (wenn Ihr Euch nicht anstrengt, gibt es auch nix und wenn Ihr es nicht zusammenkriegt, wollt Ihr das Freibad auch nicht wirklich) und auch “den” Politikern gegenüber (wenn Ihr jetzt noch den Daumen senkt, verratet Ihr die Dabringhauser).

Ich schätze das Engagement des Fördervereins Freibad Dabringhausen schon jetzt sehr hoch - unabhängig von der Summe, die letztendlich herauskommen wird, ist seine Leistung unbestritten höchst respektabel. Umso schlimmer finde ich es, dass hier auf dem Rücken der Mitglieder und gutgläubiger Spenderinnen und Spender Hoffnungen geschürt werden, deren Erfüllung bei jetzigem Stand noch jegliche belastbare Grundlage fehlt.

Auch ich will gerne das Freibad Dabringhausen erhalten. Was ich aber nicht will, ist, mich von der dahingeworfenen populistischen Wette eines Politikers erpressen lassen…

Und, wie so oft in meinem Leben, wird auch diese Situation treffend, wenn auch bissig, von einem Cartoon von F. K. Waechter illustriert:

Nachtrag 07.01: Jetzt greift auch die BM das Thema auf: foerderverein-kaempft-weiter-fuers-freibad

Beichtgeheimnis

2. November 2011

Und hier noch ein kleines Schmankerl vom 05. Oktober aus Spiegel online:

“Ziel sei es, die finanzielle Schlagkraft des Fonds mit einem sogenannten Hebel zu stärken, beichtet die Zeitung.”

Schäuble hatte das zu der Zeit noch heftigst dementiert (hat das eigentlich was mit Demenz zu tun?), aber die Zeitung hatte es schon gebeichtet. Wie schnell aus einem Bericht eine Beichte werden kann…

Au! Fischsgräte!

2. November 2011

Ist zwar schon ein wenig her die Meldung, kam mir aber gerade noch einmal in den Sinn:

Cromme kippt Altersgrenze für Aufsichtsräte bei Siemens

Ja, so geht das Frau Schröder: Was nicht passt, wird eben passend gemacht. Freiwillig natürlich…

Drei mal Null is’ Null, is’ Null…

31. März 2011

Langsam weiß ich nicht mehr, ob ich Dr. Kristina Schröder (CDU) in meiner Hochachtung noch vor Silvana Koch-Mehrin (FDP) einordnen soll oder doch dahinter. Gestern hat erstere auf jeden Fall wieder mal ein Kabinettstückchen abgeliefert.

Bei einem Treffen zusammen mit Ursula von der Leyen und Vertretern der DAX-Unternehmen hat sie es doch tatsächlich geschafft, die Unternehmensvertreter darauf festzunageln (sic!), dass diese sich eventuell schon(!) ab 2013 mal überlegen könnten, wie viele Frauen sie denn unter Umständen in ihren Aufsichträten und Vorständen vielleicht haben wollten und ob überhaupt. Das nenn’ ich mal Durchsetzungskraft, liebe Frau Schröder!

Aus der Nummer kommen die Unternehmen nur raus, wenn sie bis 2013 die Zahl der Frauen in den oben genannten Gremien verdreifachen.

Ich glaube, Frau Schröder wäre wohl besser in Köln in der Kaygasse in die Schule gegangen: Da lernt man schon seit langem, dass drei mal Null gleich Null ist - und bleibt…